Dölf Frühs Rückzug ist ein erster Schritt

KOMMENTAR ⋅ Nach der Umverteilung der Aktien beim FC St.Gallen muss der Verwaltungsrat neu bestellt werden. Und das ist nur die erste von vielen Aufgaben, schreibt Christian Brägger in seinem Kommentar zur Generalversammlung.
14. November 2017, 06:13

Ein erster Schritt ist getan, dank dieser einen guten Nachricht des GV-Abends: Dölf Früh, der abgetretene Präsident und Retter des FC St. Gallen, hat sein Versprechen wahr gemacht und seinen Fast-50-Prozent-Anteil an der Event AG verkauft. Danke, Dölf, für alles, was du für den Verein getan hast. Aber war das Schlusskapitel in dieser Form wirklich nötig?

Bei der Neu- respektive Umverteilung von Frühs Aktien (und jenen Pascal Kesselis) haben gute Leute Einsitz gefunden. Erfahrene Wirtschaftsexponenten mit einem grünweissen Ostschweizer Herz, die gewiss nicht lange zuschauen, bis sie handeln. Ihnen stehen viele Aufgaben bevor, insbesondere gilt es, den Verwaltungsrat umzuformen, vielleicht ganz neu zu bestellen: Er muss unabhängig sein von der operativen Führung und genau hinschauen dürfen bei den Vorgängen im Club. Derer gibt es viele.

  • Eine enttäuschte Aktionärin macht ihrem Ärger Luft.
  • Bei ihm blies der Gegenwind der Aktionäre besonders heftig: Ferruccio Vanin.
  • Die Aktionäre fällen einen Entscheid.

An der Generalversammlung der FC St.Gallen AG wurden weitreichende Änderungen im Aktionariat bekannt gegeben. Impressionen unseres Fotografen Urs Bucher. (Bilder: Urs Bucher)

Der Nachwuchs performt nicht wie gewünscht, man spricht von Günstlingswirtschaft und Einflussnahme eines Beraters. Vermutlich ist es kein Zufall, dass ausgerechnet FCO-Geschäftsführer Ferruccio Vanin bei der VR-Wahl das schlechteste Resultat der vier bestätigten Räte erzielte. Auch in der ersten Mannschaft hat es Baustellen. Das Kader ist zu gross, zudem muss Trainer Giorgio Contini wohl noch länger und trotz anders lautender Bekundungen ohne Sportchef auskommen. Darüber hinaus scheint es nach dem Abgang Kesselis auch in der Event AG drunter und drüber zu gehen. Wegen Frühs Machtspielen gegen den ehemaligen CEO gingen zu viel Know-how und finanzielle Mittel verloren. Zudem soll CFO Sascha Roth inzwischen Aufgaben übernommen haben, die definitiv nichts mit seinem Jobprofil zu tun haben. Doch wo ein Vakuum ist, da finden sich stets willige Leute.

Dennoch: Das gute Gefühl ist ­zurück. Bleibt zu hoffen, das grosse Minus war lediglich ein Ausrutscher. Alles andere wäre überaus bitter.
 

Christian Brägger


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