«Wir sind nicht die Facebook-Zensur»

RECHTSSTREIT ⋅ Im Interview mit der «Ostschweiz am Sonntag» hat der Präsident der Kesb Linth, Walter Grob, schwere Vorwürfe an die Adresse der «Obersee-Nachrichten» erhoben. Jetzt nimmt Verleger Bruno Hug Stellung.
27. August 2017, 05:17
Interview: Odilia Hiller

Interview: Odilia Hiller

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Bruno Hug, der Präsident der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) Linth, Walter Grob, wirft Ihnen vor, auf der Facebook-Seite der «Obersee-Nachrichten» seien er und seine Mitarbeitenden in Kommentaren mit Begriffen wie «Stasi», «Mörder» oder «Arschlöcher» betitelt worden, ohne dass Ihre Redaktion eingeschritten wäre. Was sagen Sie dazu?

Die «Obersee-Nachrichten» sind für Einträge Dritter auf Facebook nicht verantwortlich. Der Betreiber der Seiten ist Facebook. Facebook beschäftigt weltweit 7500 Personen, um Einträge zu kon­trollieren. Wir sind nicht die Facebook-Zensur. Das weiss auch Walter Grob, weshalb er schon mehrere Personen wegen Facebook-Posts eingeklagt hat. Ich halte also klar fest: Die von ihm im Interview mit der «Ostschweiz am Sonntag» genannten Wörter standen nie in den «Obersee-Nachrichten». Dass Grob nun so tut, als hätten wir solches geschrieben, ist untragbar.

Wie stehen Sie zum Vorwurf, die «Obersee-Nachrichten» berichteten «extrem einseitig und emotionalisierend» über Einzelfälle der Kesb?

Wir haben über sieben Einzelfälle berichtet, die unter Massnahmen der Kesb Linth litten. Dabei haben wir die Sicht der Betroffenen dargelegt. Das gehört zur Aufgabe einer Zeitung. Mit diesen Personen haben wir übrigens nach den Berichten je ein Interview geführt. Diese sind Teil der Gerichtsakten. Alle Betroffenen bestätigen darin, dass die Berichte wahrheitsgetreu waren. Es mag für den Kesb-Präsidenten störend sein, dass Menschen, über die seine Behörde richtet, auch eine Stimme haben. Für diese Menschen ist es aber wichtig, dass sie gehört werden.

…aber Grob wirft Ihnen vor, Fakten zu manipulieren.

Grob und auch der vorherige Stadtrat haben uns dies schon früher vorgeworfen. Dies wohl, um für deren teure Klage Werbung zu machen. Dieser extrem persönlichkeitsverletzende Vorwurf wird in der Klage aber nirgends belegt. Er ist komplett falsch und rechtlich unhaltbar.

Der Kesb-Präsident erklärt, er habe die Privatklage nur eingereicht, um eine Verjährung zu vermeiden. Wie wäre es mit einem Verjährungsverzicht Ihrerseits?

Walter Grob hat in seiner Privatklage nur einen Artikel und erneut Facebook-Posts eingeklagt. Dass er nach der 330-Seiten-Klage nochmals einem Artikel nachrennt, in dem wir alles richtig dargestellt haben, ist seine Sache. Ausserdem hat er seine neue Klage gleich wieder sistieren lassen, und zwar bis August 2018. Das zeigt, dass es ihm mehr um die PR-Wirkung ging als um ein rechtliches Anliegen. Ein Verjährungsverzicht unsererseits wäre falsch gewesen, denn wir wollen nicht, dass der Gerichtsfall ewig weitergeht.

Ein weiterer Vorwurf lautet, Sie führten eine Kampagne gegen den Kesb-Präsidenten.

Wir haben über sieben Fälle berichtet und diese teils länger begleitet. Das ist die Aufgabe einer guten Zeitung.

Warum konnte der Streit nicht anders beigelegt werden?

Wir streiten nicht, wir berichten im Rahmen der von der Verfassung garantierten Meinungs- und Medienfreiheit. Unsere Berichte waren wahr und im öffentlichen Interesse. Weder der Kesb-Präsident noch die Stadt haben im Übrigen je eine Gegendarstellung verlangt.

Wie gehen Sie mit dem Vorwurf um, Sie instrumentalisierten Schutzbedürftige?

Dieser Vorwurf ist ungeheuerlich, und wir weisen ihn vehement zurück. Alle Personen stehen von A bis Z zu den Berichten und bezeugen dies.

Wann erachten Sie Ihre Arbeit als getan? Wenn der Kesb-Präsident nicht mehr im Amt ist?

Es ist nicht meine Aufgabe, Walter Grob seines Amtes als Kesb-Präsident zu entheben. Unsere Aufgabe als Zeitung ist es, behördliches Handeln kritisch zu beobachten und darüber zu berichten. Wir tragen damit bei zu einer wichtigen Debatte in einem sehr aktuellen Thema. Ob Grob im Amt der Richtige ist oder nicht, müssen die Politiker entscheiden.


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