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Ostschweiz am Sonntag, 27. Juli 2013, 02:14 Uhr

Zeitzeugen des Weizenkönigs gesucht

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Der junge Künzler in den 1930er-Jahren mit einer Indigenen in Tansania. (Bild: Staatsarchiv des Kantons Thurgau)

FRAUENFELD. Im Zentrum der nächsten Sonderausstellung des Historischen Museums Thurgau steht die schillernde Figur des August Künzler. Der junge Historiker Christian Hunziker will den Thurgauer in Tansania mit Hilfe von Zeitzeugen ergründen.

MATHIAS FREI

Staatsarchiv des Kantons Thurgau

Es ist von Onkel August aus Afrika die Rede. Dass er an der Speicherstrasse gewohnt habe. Und eine Frau weiss, dass Künzler im Oberkirch begraben sei. Das sagen Zeitzeugen – oder zumindest vom «Hören-Sagen» Bekannte – von August Künzler.

Das Historische Museum Thurgau hat beim Künzler-Museumshäppli auf solch eine Besucherschaft gehofft. Denn Zeitzeugen spielen für die Sonderausstellung «Auswanderer, Tierfänger, Weizenkönig. August Künzler», welche nächsten Frühling eröffnet wird, eine wichtige Rolle.

Künzler stösst auf Interesse

An diesem Mittag sitzen 60 Interessierte im Schloss Frauenfeld. Historiker Christian Hunziker referiert über den Thurgauer, der 1929 nach Afrika auswanderte. Künzler wurde in Kesswil geboren. Im ostafrikanischen Tansania, damals britische Kolonie, stieg er zum erfolgreichen Agrarunternehmer auf und handelte auch mit Wildtieren. Die letzten Jahre vor seinem Tod 1983 verbrachte er in Frauenfeld.

Vor zwei Jahren kam Historiker Hunziker für eine Seminararbeit erstmals in Kontakt mit Künzler. Nun konzipiert er über den abenteuerlustigen Auswanderer eine Ausstellung und schreibt dazu seine Abschlussarbeit an der Uni Zürich.

Hunziker will Künzlers Leben nicht chronologisch von der Wiege bis zur Bahre abhandeln. Dafür gibt es schon eine Biographie, die Künzler noch zu Lebzeiten beim Journalisten Alfred Häsler in Auftrag gegeben hatte. Veröffentlicht wurde «Der Weizenkönig von Tanganjika» übrigens vom Frauenfelder Huber-Verlag. Es gehe ihm vielmehr darum, sagt Hunziker, die Geschichte und Geschichten von Künzler zu erzählen, Facetten dieser Biographie aufzuzeigen. Rekonstruieren will er mit Hilfe von Zeitzeugen.

Ein Leben, viele Geschichten

Schliesslich geht es um Erinnerungen, Wahrheiten und Interpretationen. Denn eine Biographie sei nach dem Soziologen Bourdieu ein künstliches Konstrukt, sagt Hunziker. Die Biographie als gewolltes Image von Künzler ist also eine Wahrheit. Viele andere Stimmen will Hunziker sammeln. Und alle werden eigene Versionen von Künzlers Leben erzählen. Hunziker hat die Zeitzeugen in Gruppen eingeteilt, aufgrund der gemeinsamen Lebenszeit. Da ist Künzlers Tochter, aber auch ehemalige Mitarbeiter in Afrika, etwa die Sekretärin, der Tierarzt oder der Tierfänger. Eine weitere Gruppe bilden Verwandte und Bekannte in der Schweiz.

Museumsdirektorin Gabriele Keck sagt, je neuer ein historisches Thema sei, desto eher werde es «in progress» erarbeitet. Dabei sei zu beachten, dass eine Ausstellung kein Buch sei. «Man muss versuchen, die Themen zu visualisieren», erklärt Keck.

Haben Sie eine Erinnerung an August Künzler oder ein Objekt von ihm? Hinweise an 058 345 73 80 oder christian.hunziker@tg.ch


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