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Ostschweiz am Sonntag
1. Juni 2013, 01:38 Uhr

Der Biber ist nur eines der Probleme

Am Tobelbach in Müllheim stauten Biber das Wasser. Die Gemeinde liess den Bau verkleinern, was nicht allen gefiel. Am Infoabend am Donnerstag tauchten aber noch andere Fragen auf.

PIERRE BURKHARDT

MÜLLHEIM. Der Tobelbach, der aus dem Langenharter Tobel kommt, ist ein wilder Geselle. Normalerweise führt er wenig Wasser, kann aber nach starken Regenfällen schnell anschwellen und viel Schwemmgut mitführen.

Vor einiger Zeit staute ein Biber im Bereich Tüchelröösli mit einem Damm den Bach, so dass die Uferbereiche aufgeweicht wurden und teilweise zu rutschen begannen. Kinder, die sich auf einem direkt am Bach angrenzenden Spielplatz aufhielten, waren gefährdet.

Deshalb entschied man sich, den Biberdamm zu verkleinern. Der Bach schwemmt den Bau aber letztlich gänzlich weg.

Verschiedene Meinungen

Nicht nur unter den am Bach lebenden Einwohnern gab es Meinungsverschiedenheiten zur Abbruchaktion am Biberdamm, auch wurden schon bei einer früheren Begehung Unzulänglichkeiten unter anderem bezüglich Wasserbaugesetz festgestellt. Deshalb rief Gemeindeammann Jakob Thurnheer alle Anwohner des Tobelbaches im fraglichen Abschnitt und die Bevölkerung am Donnerstagabend zu einer «Landsgemeinde» ein, um einerseits die Stimmung unter den Anwohnern zu spüren und anderseits über die rechtliche Situation aufzuklären. Nebst dem Gemeindeammann waren auch anwesend: Herbert Lenz, zuständig für Bachprojekte, Abteilung Wasserbau im kantonalen Amt für Umwelt, und Felix Goldinger, zuständig als Gemeinderat für die Bereiche Jagd und Fischerei und für die gemeindeeigenen Bäche.

Bauzone zu nah am Bach

Die Parzellen entlang des Tobelbaches weisen Besonderheiten auf: Sie liegen in der Wohn- und Gewerbezone. Die Zone reicht bis Oberkante Bachböschung, die Parzelle hingegen bis Mitte Bach. Gemäss Planungs- und Baugesetz müssen Bauten und Anlagen (zum Beispiel Teiche, Sitzplätze, Mauern) 15 Meter vom Ufergehölz entfernt sein. Diese Bedingung wird heute im fraglichen Bereich nicht eingehalten. Da die Unterhaltspflicht des Baches bei der Gemeinde liegt, ist auch ein uneingeschränkter Zugang erforderlich.

Ein weiterer Bereich betrifft den Biber. Er steht unter nationalem Schutz. Mit dem Bau des Dammes hat er einen grossen See entstehen lassen. Ufergehölze sind dadurch abgestorben und viel angeschwemmtes Material blieb liegen. Ob ein Damm reduziert wird, bleibt oder ganz entfernt wird, hängt von der jeweiligen Situation ab. Aus der Sicht des Amtes für Wasserbau steht fest: die Hochwassersicherheit ist wichtiger als der Biber.

Bach muss mehr Raum erhalten

Der dritte Punkt betrifft das neue Gewässerschutzgesetz, das seit zwei Jahren schweizweit in Kraft ist. In diesem Gesetz wird ein sogenannter Gewässerraum vorgeschrieben. Die Kantone müssen diesen Lebensraum bis 2018 ausscheiden. Der Gewässerraum ergibt sich aus der Breite des Baches plus eines Zuschlages, der mit einer Tabelle bestimmt wird.

Für den Tobelbach heisst das: Die Breite des Bachs (4 Meter) plus beidseits je 6,5 Meter. Mit anderen Worten: der Gewässerraum misst 17 Meter. Hier dürfen keine Anlagen aller Art sein, auch keine Werkleitungen Das Gras darf erst gemäht werden, wenn es gesamt hat. Im Gewässerraum darf der Bach machen, was er will.



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