In Zuzwil beginnt die Jagd auf Armeeartikel

LIQUIDATION ⋅ Zum dritten Mal findet eine Armeeliquidation in Zuzwil statt. Heute fällt der Startschuss. Auch diesmal werden wieder ausländische Produkte angeboten. Dies hat mehrere Gründe.
07. Dezember 2017, 05:20
Tim Frei
Rucksäcke, Jacken, Stiefel, Feldstecher oder Gürtel: Auf diese und viele weitere Artikel können sich Besucher der dritten Gross-Liquidation von Armeematerial in Zuzwil, die heute eröffnet wird, freuen. Vor zwei Jahren wurde sie letztmals ausgetragen. Zum elftägigen Anlass, der in der ehemaligen Verkaufshalle TopCC stattfindet, gehört auch eine Aussenmesse. Wie in der Vergangenheit wird er vom Dicks Army Shop aus dem bernischen Lyss organisiert. Das von Fritz Dick geführte Unternehmen veranstaltet solche Liquidationen von Armeematerial jährlich an verschiedenen Schweizer Standorten an.

Seit fünf bis sechs Jahren setzen Fritz Dick und Co. nicht nur auf Schweizer Material, sondern auch auf jenes von ausländischen Armeen. In diesem Jahr gibt es Artikel aus Italien, Österreich, Deutschland, Frankreich, England, Niederlande, Bulgarien, USA und der Slowakei zu kaufen. Das Hauptangebot kommt allerdings aus der Schweiz – 15 bis 20 Prozent stammen aus dem Ausland. Was ist der Grund dieser Ausland-Strategie? Es gebe nun mal Artikel von ausländischen Armeen, die moderner seien oder die es in der Schweiz nicht gibt, sagt Fritz Dick. So bei- spielsweise Tarnfarbe, moderne Rucksäcke und Pullover sowie Schlafsäcke. «Die Schweizer Armee dagegen ist stark bei Ledermaterialien und Faltlaternen», sagt Dick.

Ledergürtel haben Kultcharakter

Ein weiteres neues Angebot hängt mit dem Ausland zusammen: Aus einem Überschuss von Schweizer Rohstoffen werden neue Accessoires. Sie werden in Bulgarien und Ungarn produziert. So entstehen aus Tarnstoff neue Regenmäntel oder aus Schlafsackmaterialien neue Westen. Beliebt bei den Besuchern seien laut Dick insbesondere die Armee-Schokolade, die Gnägi-Trikots von Alt-Bundesrat Rudolf Gnägi, Pelerinen, Tarnnetze, Schlafsäcke oder Ledergürtel, die schon fast Kult seien.

Im Zentrallager in Lyss werden die Artikel gelagert – dies in einer riesigen Menge. «Verschiedene Waren haben wir fünf oder sogar mehr Jahre am Lager», sagt Dick. Denn der Schweizer Binnenmarkt sei zu klein, um die Artikel in nur einem Jahr abzusetzen. Diese grosse Lagermenge hat einen Vorteil: Denn so kann das Sortiment vor Ort an den Liquidationen täglich ersetzt werden. «Diesen Service erwarten die Kunden auch von uns.» Erstaunlich: Die Produkte sind billiger als im Ausland. Dies hat mehrere Gründe. Erstens können die Veranstalter die ausländischen Produkte aufgrund des starken Frankens billiger einkaufen, was laut Dick den Kunden weitergegeben werde. Zweitens bräuchten sie keine teuren Verkaufsstellen, da die Produkte direkt eingekauft, ins Lager gebracht und schliesslich an den Messen verkauft würden. Und drittens könnten sie auf die Lagerbuchhaltung via Computer verzichten. «Wir sind nun schon so lange im Geschäft, dass es Erfahrungssache ist, den Überblick über den Lagerbestand zu haben.»

Was auffällt: Waffen sind im Sortiment keine zu finden. Dies sei ein «bewusster Entscheid» und hänge mit der anvisierten Kundschaft – hauptsächlich Familien – zusammen: «Wir möchten Menschen dazu animieren, rauszugehen.» So überrascht es auch nicht, dass nicht nur Armeebegeisterte, sondern ein Abbild der gesamten Bevölkerung diese Liquidationen von Armeematerial besucht.

Wenn die Waffe zum Grillspiess wird

Eine Ausnahme in Sachen Waffen gibt es allerdings mit dem Bajonett. Als dieses unter das Waffengesetz fiel, wurde das Berner Unternehmen erfinderisch: Das Bajonett wurde zu einem Grillspiess umfunktioniert und ist seither in dieser neuen Funktion im Angebot.


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