Doch noch einen Zacken zugelegt

5500 Personen haben «My Fair Lady» des Balgacher Nostalgietheaters gesehen. Das Wort «unglaublich» sei unglaublich oft gefallen, sagt Präsident Peter Tanner.
05. November 2013, 02:28
GERT BRUDERER

BALGACH. Obschon die Latte für dieses Jahr, die sechste Aufführung, noch höher gelegt worden sei, habe das Theater sein Ziel erreicht. Gäbe es zwei, drei weitere Aufführungen, sie wären wohl ebenfalls ausverkauft.

«Alle drei Jahre», sagt Peter Tanner, sei man überzeugt, nun aber wirklich am Anschlag zu sein, finanziell wie zeitlich, aber immer lege man dann doch noch einen Zacken zu.

Wie eine grosse Familie

Trotz Abgängen und Zuzügen wie bei einer Fussballmannschaft ist das Nostalgietheater wie eine grosse Familie. Eine Familie mit hohem Anspruch an sich selbst. Davon profitieren letztlich alle. Denn ein Theater wie jenes der Balgacher kann auf Sponsoren zählen, unter anderen die Alpha Rheintal Bank als Hauptpatronatsgeber. «Würden wir nicht kräftig unterstützt», sagt Peter Tanner, «wäre der Eintrittspreis wohl doppelt so hoch.» So aber ist in 58 Franken nicht nur der Eintritt, sondern zudem ein feiner Znacht enthalten.

Mit 39 Grad Fieber gespielt

Die grosse Angst des Präsidenten ist jeweils die, dass ein Hauptdarsteller oder eine Hauptdarstellerin ausfallen könnte. Weil eine Doppelbesetzung nicht möglich ist, regiert das Prinzip Hoffnung. Bisher klappte es. Noch nie hat eine Vorführung kurzfristig abgesagt werden müssen, auch diesmal nicht. Aber Paul Flückiger hatte sich durchzubeissen. Nachdem er sich vier Tage vor der Dernière beim Longieren mit dem Pferd verletzt hatte, musste er den rechten Arm in einer Schlinge tragen. Und Professor Higgins (Niklas Bartling), neben Eliza die grösste Rolle, stand am ersten Mittwoch nach der Premiere mit 39 Grad Fieber auf der Bühne.

Schon einmal, bei «Grüezi», war man glimpflich davongekommen. Damals, vor sechs Jahren, war Franz Bühler beim Duschen ausgerutscht. Er spielte trotz des Beinbruchs mit, im Rollstuhl. Souffleuse Frieda Zünd verwandelte sich – der Not gehorchend – in eine Krankenschwester, die den Rollstuhl schob.

Konzept hat «eingeschlagen»

Den anhaltenden, ja laufend grösser werdenden Erfolg des Nostalgietheaters führt Tanner, abgesehen von den hervorragenden Leistungen des ganzen Teams, auch aufs Konzept zurück.

Ein Theater mit Apéro und Abendessen, in einem festlich hergerichteten Saal, das habe von Anfang an «eingeschlagen». Auch die Stücke kommen an. Das Publikum, sagt Tanner, schätze es, dass ein Musical wie «My Fair Lady» nicht modernisiert, sondern in seiner ursprünglichen Form zur Aufführung gebracht werde.

Jetzt erst mal pausieren

Nach der Dernière vom Sonntag heisst es nun erst mal pausieren. An der Hauptversammlung im Frühjahr befasse man sich mit der Frage, ob und wie es weitergehe. Theoretisch könnte mit dem Nostalgietheater Schluss sein, denn das Team setzt sich jedes Mal neu zusammen. Natürlich sind stets erfahrene Kräfte dabei, aber erstens ist nie sicher, wer dabei bleibt, zweitens braucht es immer wieder neue Mimen.

Neue Ideen

Tatsächlich geht aber niemand davon aus, dass wirklich einmal Schluss sein könnte. Im Gegenteil gibt es bereits wieder neue Ideen für eine nächste Produktion. Während die Einfälle geheim sind, ist eine andere Sache inzwischen längst offenkundig: Gewiss zweifelt niemand daran, dass das Nostalgietheater Balgach auch beim nächsten Mal noch einmal einen Zacken zulegt.


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