Kahlschlag bei Ex Libris: St.Galler Filiale macht zu wenig Umsatz, in Wil läuft das Geschäft

OSTSCHWEIZ ⋅ Ex Libris konzentriert sich auf Streamingdienste und Onlinehandel. Deshalb schliesst sie in diesem Jahr 43 Filialen. Auch das Geschäft in St. Gallen wird im Sommer dichtgemacht. Wil bleibt verschont.
12. Januar 2018, 07:37

Ex Libris schliesst in diesem Jahr 43 Filialen in der ganzen Schweiz. 114 Stellen werden gestrichen. Hart trifft es die Ostschweiz. Zehn von insgesamt noch 13 Filialen werden dichtgemacht. Unter anderem in Rorschach, Arbon und Gossau. Aber auch in der Kantonshauptstadt wird es bald keinen Ex Libris mehr geben. Ganz zum Ärger von Kommentatoren im Internet: "Wiedermal muss St.Gallen daran glauben – vielen Dank!", heisst es beispielsweise.

Die Meldung überrascht, weil die Filialen in den kleineren Städten Wil, Rapperswil und Mels weiter betrieben werden. In der Kantonshauptstadt hingegen zieht sich der Buch- und Musikhändler zurück. "Dieser Entscheid wurde nicht aus geografischen Überlegungen getroffen", sagt Marie-Christine Schindler, Mediensprecherin bei Ex Libris. Der Entschluss, die Filiale in St.Gallen zu schliessen, sei ausschliesslich durch zwei strategische Kriterien gefasst worden. "So spielt die Distanz zu einem Bahnhof eine wichtige Rolle", sagt sie. Der zweite und wichtigere Punkt sei die Rentabilität der Filiale. Und diese habe in St.Gallen nicht mehr gestimmt. Über die Gründe, wieso der Laden zu wenig Umsatz generiert habe, könne sie nur spekulieren. "Vielleicht ist es die Nähe zum Ausland oder der Druck der Konkurrenz", sagt Schindler.
 

Angestellte müssen neue Stellen suchen

Wann die Filiale am Marktplatz 4, die seit November 1999 auf Platz ist, dichtmacht, ist noch nicht klar. "Voraussichtlich hat sie noch bis Sommer offen", sagt Schindler. Jedoch spielen verschiedene Faktoren zusammen. Zum einen müsse der Mietvertrag aufgelöst werden. Zum anderen müsse die Anstellungsdauer der drei Mitarbeitenden in Betracht gezogen werden, die im Laden in St.Gallen beschäftigt werden. Das Unternehmen wolle sie bei ihrer Stellensuche unterstützen, sagt Schindler. So bekämen sie beispielsweise Hilfe beim Schreiben einer Bewerbung. Den Angestellten wurde gestern geraten, sich bereits jetzt nach neuen Stellen umzusehen. "Auch wenn die Kündigungen noch nicht schriftlich auf dem Tisch liegen." Fänden sie noch vor Ablauf der Kündigungsfrist einen neuen Job, dürften sie ohne weiteres wechseln. Dies wiederum würde bedeuten, dass die Filiale in St.Gallen schon früher schliessen wird. Für Mitarbeitende, die nach Ablauf der Kündigungsfrist keine neue Stelle gefunden hätten, zahle Ex Libris eine Abgangsentschädigung. Schweizweit betreibt der Buch- und Musikhändler noch 14 Filialen. (ren)
 

Die Ex-Libris-Filiale in Wil rentiert

Anders als in St.Gallen sieht die Situation in Wil aus: Dort bleibt die Ex-Libris-Filiale an der Zürcherstrasse 2 verschont. "Die Filiale in Wil wird weitergeführt, da sie rentabel ist", sagt Schindler. Dass dies ausgerechnet in der Filiale in der Kantonshauptstadt nicht gelingt, jener in Wil aber doch, ist verwunderlich. "Es scheint, dass das Angebot in der Filiale in Wil und der Einkauf vor Ort von den Kunden besonders geschätzt werden." Der Standort wurde erst im Februar 2014 eröffnet. Dies, nachdem Ex Libris für knapp zwei Jahre in Wil nicht präsent gewesen war. (tm)


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