«Stasi», «Mörder», «Arschlöcher»

KESB-STREIT ⋅ Seit Jahren tobt zwischen der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) Linth und den «Obersee Nachrichten» ein Streit. Kesb-Präsident Walter Grob erklärt, warum er jetzt auch privat vor Gericht zieht.
20. August 2017, 13:07
Interview: Julia Nehmiz

 

Walter Grob, Sie reichen erneut Klage ein gegen die Gratis-Wochenzeitung «Obersee Nachrichten». Warum?

Damit die Persönlichkeitsverletzungen, die Hug seit Einreichung der ersten Klage veröffentlichte, nicht verjähren. Das Gratisblatt berichtet seit bald drei Jahren ohne Unterbruch über angebliche Skandale bei uns. Dabei werden Einzelfälle extrem einseitig und emotionalisierend ausgebreitet. Nachweislich werden sogar Fakten bewusst manipuliert.

Aber weshalb klagen Sie diesmal allein?

In Absprache mit der Stadt habe ich die Ergänzungsklage als Privatperson eingereicht, um die Kosten gering zu halten.

Der Konflikt schwelt schon lange. Warum haben Sie nicht früher reagiert?

Wir haben zunächst sehr lange zugewartet und alle Möglichkeiten für eine Versachlichung ausgeschöpft. Leider ist ein Ende der Kampagne nicht in Sicht. Mittlerweile hat sie ein Ausmass angenommen, das einzigartig ist in der Schweiz. Es gibt keine Rechtfertigung, weshalb wir uns in Hunderten von persönlichkeitsverletzenden Äusserungen als «Terrorbehörde», «Stasi», «Mörder» und «Arschlöcher» beschimpfen lassen sollten. Die Zivilklage ist die einzige Möglichkeit, uns gegen diese widerrechtliche Kampagne zu wehren.

Trotzdem: Weshalb sollte Verleger Bruno Hug seit 2014 eine Kampagne gegen Sie fahren? Was hätte er davon?

Hug ist ein Geschäftsmann, und mit dem Schüren von Emotionen lässt sich viel Geld verdienen. Er profiliert sich als eigentliches Kampfblatt der Kesb-Gegner. Und weil der Zweck offenbar die Mittel heiligt, schreckt er auch nicht davor zurück, Schutz­bedürftige für seine Mission zu instrumentalisieren.

Wie hat der Streit eigentlich angefangen?

Mit einem Fall, über den Hug unter dem reisserischen Titel «Carlos von Schmerikon» berichtete. Sein Vergleich eines zwar schwierigen, aber nicht straffälligen Jugendlichen mit einem verurteilten Straftäter war empörend, weshalb ich seiner Darstellung öffentlich widersprochen habe. Zu dieser Zeit war das Kesb-Bashing gerade «en vogue» und er hat mit seinem Artikel ein grosses Echo ausgelöst. Dieser Erfolg hat ihn wohl dazu bewogen, dies zum Geschäftsmodell zu entwickeln.

Beeinflussen die Veröffentlichungen Ihre Arbeit?

Mit seiner Kampagne schafft Hug ein Klima von Angst und Verunsicherung in der Region. Das spüren wir und auch andere Stellen wie Beratungsdienste, Beistände oder Schulen in der Arbeit. Besonders bei Erstkontakten müssen wir zunächst Misstrauen abbauen, bevor wir mit den Betroffenen in einen konstruktiven Dialog treten können. Es hat aber auch direkte Auswirkungen für die Betroffenen. Die von den «Obersee Nachrichten» geschürte Aufmerksamkeit erschwert oder verunmöglicht es zum Beispiel, dass Schul- oder Lehrbetriebe einen von uns vermittelten Jugendlichen aufnehmen. Die Betriebe befürchten, selber negativ in die Schlagzeilen zu geraten.

Warum konnten Sie den Anfeindungen nie den Wind aus den Segeln nehmen?

Uns sind durch das Amtsgeheimnis die Hände gebunden. Wir dürfen darum auch unwahre Geschichten nicht öffentlich richtigstellen. Ich schweige nicht aus Angst vor einem Strafverfahren, sondern weil das mein Verständnis unserer Aufgabe ist. Wir müssen den Schutz der Betroffenen gewährleisten, auch wenn wir selber dabei nicht gut dastehen.

Was erhoffen Sie sich vom Prozess?

Wir erwarten die klare und öffentliche Feststellung, dass die Kampagne der «Obersee Nachrichten» widerrechtlich ist. Damit wollen wir die Glaubwürdigkeit der Behörde wiederherstellen und die Unglaubwürdigkeit der Wochenzeitung feststellen lassen. Offenbar braucht es zuerst ein Gerichtsurteil, bis die Verantwortlichen des Somedia-Konzerns handeln. Ich wundere mich natürlich schon, dass Somedia-Verleger Hanspeter Lebrument untätig zuschaut, wie seine Angestellten seinen Ruf ruinieren, indem sie jegliche moralischen, journalistischen und rechtlichen Standards mit Füssen treten.


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