Einmal am Pranger, immer am Pranger

In einem Inserat prangert die St. Galler Staatsanwaltschaft einen Verurteilten in diversen Zeitungen an. Und das ganz legal. Experten fürchten, die öffentliche Anprangerung nehme weiter zu.

24. November 2013, 02:34
FELIX BURCH

ST. GALLEN. Walter Huber (Name von der Redaktion geändert) ergaunerte während mehr als vier Jahren Millionen von Franken in der ganzen Ostschweiz. Laut der Staatsanwaltschaft St. Gallen hörte er damit auch nach seiner einstweiligen Entlassung aus einer mehrmonatigen Untersuchungshaft nicht auf und kam durch Täuschungen zu Darlehen im Wert von rund 36 Millionen Franken. Nach der Verurteilung veröffentliche die Staatsanwaltschaft in diversen Zeitungen ein Inserat mit Namen und Adresse des Verurteilten sowie seiner Straftaten. «Das ist zulässig, gleichwohl halte ich die Massnahme im Zeitalter des Internets grundsätzlich für problematisch, weil das Internet nie vergisst», sagt Lukas Gschwend, Professor für Rechtsgeschichte, Rechtssoziologie und Strafrecht an der Universität St. Gallen.

Der Verurteilte müsse damit rechnen, dass sein Name auch nach Jahren und Jahrzehnten über Suchmaschinen mit den Delikten in Verbindung gebracht werde, was sein Fortkommen nach dem Strafvollzug erschwere. «Dieses Ergebnis steht im Widerspruch zum Hauptziel des Strafvollzuges, das die Resozialisierung des Straftäters beinhaltet», findet Gschwend.

Eine andere Art des Prangers ist die Fahndung via Veröffentlichung von Videos und Fotos. «Sie wird in Zukunft noch vermehrt Anwendung finden, sofern nicht höchstinstanzliche Rechtsprechung die Methode für rechtswidrig erklärt», sagt Gschwend.

Mehr zum Thema in der Ostschweiz am Sonntag vom 24. November.


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