Stutenmilch für eine sanfte Haut

Der Unternehmer Roman Kalberer stellt Kosmetika mit der Hauptzutat Stutenmilch her. Um die artgerechte Haltung der Pferde zu gewährleisten, hat er das Label «Fair Horse» gegründet.
12. Juni 2016, 02:35
ADRIAN GRZONKA

BRAUNAU. Pferde sind in Roman Kalberers Karoka AG allgegenwärtig. Sie prägen das Firmenlogo. Und vor dem Firmensitz steht ein halbes Dutzend von ihnen in Stallboxen. Am nördlichen Dorfrand Braunaus, der kleinsten Gemeinde im Hinterthurgau, hat sich der Unternehmer mit Firma, Frau und Pferden niedergelassen.

Seit kurzem tragen Pferde auch zum finanziellen Erfolg des studierten Ökonomen bei. Sie liefern die Hauptingredienz seiner neuen Kosmetiklinie. Nebst seiner Consultingtätigkeit hat Kalberer nämlich seit knapp drei Jahren ein neues Geschäftsfeld: Hautpflegeprodukte, die mit einheimischer Stutenmilch angereichert sind.

Eine Crème zum Fest der Liebe

Angefangen hat Kalberers Stutenmilch-Kosmetik nicht als Geschäftsidee, sondern als Weihnachtsgeschenk. Als Interimsmanager, der Firmen auf Abruf zur Verfügung steht, hat er viele Geschäftskunden. «Zu Weihnachten wollte ich unseren Kunden eine Freude machen», sagt Kalberer. Der dermatologische Wert von Stutenmilch sei ihm schon lange bekannt gewesen. Also habe er sich entschieden, seine Kunden zum Fest der Liebe mit eigens kreierten Crèmes mit der Hauptzutat Stutenmilch zu beschenken. Das Feedback der Beschenkten war erbaulich. «Die durchgehend positiven Rückmeldungen haben uns ermutigt, die Stutenmilch-Kosmetik an der Beauty-Messe in Zürich vorzustellen.» Dort hätten einige Messebesucher mit der Hautkrankheit Neurodermitis seine Produkte probiert. «Auch sie fanden für die Produkte nur lobende Worte.»

Seit Weihnachten 2013 ist die Produktepalette von Karoka Wellness stark angewachsen. 16 Artikel stehen mittlerweile im Sortiment, unter anderem ein Schönheitsbad. «Baden wie Kleopatra» ist der Slogan, der Glasflaschen in Form von Stuten ziert. Die für ihre Schönheit bekannte Pharaonin soll regelmässig in Stuten- oder Eselsmilch gebadet haben. Ähnliche Badegewohnheiten sind von der österreichisch-ungarischen Kaiserin Elisabeth und von Joséphine Bonaparte, der Ehefrau Napoleons, überliefert.

«An der diesjährigen Beauty-Messe in Zürich waren die Schönheitsbäder innert zweier Stunden vergriffen», sagt Kalberer. Forcieren werde er den Verkauf des Badezusatzes allerdings nicht. Denn dieser verbrauche sehr viel Stutenmilch. Und diese ist kostbar. «Ich bin ständig auf der Suche nach Produzenten von Stutenmilch, die meine Qualitätsansprüche erfüllen», sagt er.

Nur ein Melkgang

Um diese zu wahren, hat Kalberer eigens ein Label gegründet. «Fair Horse» heisst es und gibt den Produzenten klare Richtlinien vor. «Manche Produzenten kümmern sich nur um den grösstmöglichen Ertrag. Mir ist die tiergerechte Haltung sehr wichtig», sagt er. Stuten geben täglich bis zu 20 Liter Milch. «Wir entnehmen pro Tag lediglich 1,5 Liter und belassen es bei einem Melkgang. Zudem melken wir die Stuten erst nach drei Monaten, wenn ihre Fohlen ihre Ernährung grösstenteils auf Gras oder Heu umgestellt haben.» Dieses Gewinnungsverfahren führe zu einem sehr hohen Preis für die Stutenmilch, sagt Kalberer

Dennoch spart der in Bazenheid aufgewachsene Unternehmer nicht mit der kostbaren Ingredienz. «Ich bin überzeugt, dass für die Wirkung meiner Produkte die darin enthaltene Menge an Stutenmilch entscheidend ist.» Sein teuerstes Produkt heisst «Balance»; es sei mit Stutenmilch «vollgepumpt», sagt er. «Balance» sei speziell für Leute mit trockener und schuppiger Haut – insbesondere Neurodermitis – entwickelt worden. «Ich mache kein Heilsversprechen,» sagt Kalberer. Überzeugt, dass seine Produkte wirken, ist er dennoch. «Ich leide selber an Neurodermitis und konnte mich von der Wirkung unserer Produkte überzeugen.»


Leserkommentare

Anzeige: