Ringen um Verbot der Baujagd

FRAUENFELD. Eigentlich soll die Baujagd im Thurgau verboten werden. Das hat die Regierung vor vier Jahren versprochen. Jetzt droht der Tierschutzverband mit einer Initiative, um nachzuhelfen.

05. Oktober 2014, 09:02
Christof Widmer

Diesen Monat hat im Thurgau wieder die Baujagd-Saison begonnen. Jäger schicken dabei speziell ausgebildete Hunde in Fuchs- und Dachsbauten, um die Tiere hinauszutreiben – vor die Flinte der Weidmänner. Geht es nach dem Thurgauischen Tierschutzverband, müsste die Baujagd im Kanton längst verboten sein. «Das ist tierquälerisch», sagt Verbandspräsident Reinhold Zepf. Füchse wie Dachse als auch die Jagdhunde selber könnten in Kämpfen unter der Erde schwere Verletzungen davontragen. Vor vier Jahren hat der Thurgauer Regierungsrat dem Tierschutzverband zugesichert, die Baujagd im Kanton zu verbieten. Geschehen ist bis jetzt noch nichts. «Ich habe den Verdacht, dass hier Zeit geschunden wird», sagt Zepf.

Der Regierungsrat wollte das Baujagdverbot zusammen mit der Revision des kantonalen Jagdgesetzes einführen. Die Revision ist nötig, um die Neuerungen im Jagdrecht des Bundes zu übernehmen. Dieses ist aber auch schon zwei Jahre in Kraft. «Ich nehme die Arbeiten für die kantonale Revision im Laufe dieses Herbstes an die Hand», sagt nun Roman Kistler, Chef der kantonalen Jagdverwaltung. Bis das Gesetz den Segen des Kantonsparlaments hat, wird es aber wohl 2016 werden. Kistler begründet die Verzögerung mit anderen Aufgaben, die in den letzten beiden Jahren dringender gewesen seien. Der Bund setze den Kantonen keine Frist für die Revision ihrer Jagdgesetze.

Jäger machen Druck

Inzwischen macht der Thurgauer Jägerverband Druck, dass das Baujagdverbot nicht im kantonalen Recht verankert wird. «Der Regierungsrat hat dem Tierschutzverband versprochen, die allgemeine Baujagd zu verbieten», sagt Walter Schmid, Vizepräsident von Jagd Thurgau. Die allgemeine Baujagd sei aber mit dem neuen Bundesgesetz sowieso nicht mehr zulässig. Dieses schreibe vor, dass nur speziell ausgebildete und geprüfte Hunde für die Baujagd eingesetzt werden dürfen. «Unser Standpunkt ist, dass der Bund nur noch die selektive Baujagd zulässt», sagt Schmid. Es gebe nur ganz wenige Jäger, die über einen entsprechend ausgebildeten und geprüften Jagdhund verfügen. Der Regierungsrat würde das Versprechen gegenüber dem Tierschutzverband nicht brechen, wenn er auf ein ausdrückliches Verbot der allgemeinen Baujagd im Kanton verzichtet, sagt Schmid.

«Die Baujagd hat ihre Berechtigung», sagt Schmid. Ihr Vorteil sei, dass es eine effiziente Jagdmethode sei – in bestimmten Fällen die einzige, die in Frage komme. Das treffe gerade auf den Siedlungsbereich zu. «Wenn man die Baujagd ganz verbietet, kann man halt nichts mehr machen gegen den Fuchs im Bau unter dem Siloballen-Depot oder hinter dem Hühnerhaus», sagt Schmid.

Zepf hofft auf das Volk

Solche Aussagen alarmieren Tierschützer Zepf. «Wir fordern ein generelles Verbot der Baujagd im Thurgau», stellt er klar. Wenn nötig, werde der Tierschutzverband eine Volksinitiative lancieren, um das Verbot im Gesetz zu verankern. «In der Bevölkerung werden wir auf Verständnis stossen», sagt Zepf. Dass sein Verband fähig ist, genug Unterschriften zu sammeln, bewies er 2009, als er per Volksbegehren das Verbot der Jagd auf den Feldhasen forderte – was der Regierungsrat dann vor einer Volksabstimmung mit einer Verordnungsänderung umsetzte.


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