Ein Imker sticht ins Wespennest

Imker kritisieren den Import von Bienen aus Süditalien. Ihr Aufschrei führt zu einer Weisung des Bundes.
26. April 2015, 02:35
SILVAN MEILE

Unter Ostschweizer Imkern ist ein Streit über Bienenimporte aus Süditalien entbrannt. Im September wurde in den Regionen Kalabrien und Sizilien der Kleine Beutenkäfer entdeckt. Der gefürchtete Parasit ist nur etwa fünf Millimeter gross, löscht aber ganze Bienenvölker aus. Viele Imker zucken deshalb zusammen, wenn sie hören, dass nun Bienenvölker aus Süditalien in die Schweiz eingeführt werden. «Das Risiko ist sehr gross, den Beutenkäfer durch Importe in die Schweiz einzuschleppen», sagt etwa der Appenzeller Richard Wyss, Präsident des Vereins deutschschweizerischer und rätoromanischer Bienenfreunde. Am liebsten hätte Wyss ein generelles Bienen-Importverbot. Doch ein solches lassen die bilateralen Verträge nicht zu.

Inspektor lässt sich Reise zahlen

Eine ganz andere Auffassung vertritt der Wiler Imker Daniel Grob. Er importiert in den nächsten Tagen aus dem süditalienischen Apulien mehr als 500 Bienenvölker für 100 000 Franken. Anschliessend verkauft er sie an Bienenzüchter in der ganzen Schweiz. Das ist legal. Der Bund – wie auch die EU – verhängte zwar im Januar ein Importverbot für Bienen aus Kalabrien und Sizilien. Die Region um Lecce, von wo Grob die Bienen importiert, ist jedoch deutlich mehr als hundert Kilometer vom Seuchenherd entfernt und somit nicht vom Importverbot betroffen.

Trotzdem sticht der Wiler mit seinen Bienenimporten in ein Wespennest. Von Imkerkollegen prasselt Kritik auf ihn ein. «Gegen mich wird eine Hexenjagd veranstaltet», sagt Grob.

In die Kritik geriet auch das Veterinäramt des Kantons St. Gallen, weil Amtsvertreter mit Grob den Import besprachen. Ausserdem bezahlte der Wiler Imker einem kantonalen Bieneninspektor die Reise nach Apulien – inklusive Flug, Unterkunft und Verpflegung. «Ich nahm ihn als privaten Experten mit, damit wir für einen sauberen Import vor Ort ausgiebige Kontrollen machen können», sagt Grob. Damit habe er das Risiko, den Beutenkäfer einzuschleppen, auf ein Minimum gesenkt. Das liess aber einige Imker aufschreien. Sie sehen darin ein «Beamtenreisli» und verweisen auf die Problematik, dass Bieneninspektoren nebst ihrer Kontrollfunktion oftmals selber auch im Imkergeschäft tätig sind und dadurch mehrere Hüte tragen.

Bund erlässt Weisung

Den Vorwurf des Amtsmissbrauchs weist der St. Galler Kantonstierarzt Albert Fritsche klar zurück. «Der Bieneninspektor hat die Reise als fachkundige Privatperson angetreten», sagt er. Die Behörden seien zwar darüber informiert gewesen, ein amtlicher Auftrag habe aber nicht bestanden. Doch aufgrund der Kritik aus Imkerkreisen wollte das St. Galler Veterinäramt bezüglich Bienenimporten Klarheit schaffen und richtete eine entsprechende Anfrage an den Bund. Unterstützung kam aus dem Thurgau, wo ebenfalls ein Import von Bienen angekündigt wurde. Bereits zwei Tage später, vor dem effektiven Import Grobs, verschickte das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen allen Kantonstierärzten eine Weisung, welche per sofort umzusetzen ist. Das Dokument liegt der Ostschweiz am Sonntag vor. Demnach müssen nun alle importieren Bienenvölker, unabhängig ihrer Herkunft, bei ihrer Ankunft kontrolliert und später während 30 Tagen vom zuständigen Bieneninspektor überwacht werden. Weil die über 500 importierten Bienenvölker kurz nach der Ankunft zu Käufern in der ganzen Schweiz gehen, wird diese verschärfte Massnahme Dutzende von Bieneninspektoren betreffen.

Trend zur Wegwerf-Imkerei

Die verschärften Importbedingungen machen Richard Wyss nicht unbedingt glücklicher : «Jeder Imker, der solche Bienen kauft, ist beim Auftreten des Schädlings mitverantwortlich», sagt er. Bienenimporteur Grob hingegen kontert, dass Wyss' Bienenverband nicht imstande sei, genügend Jungvölker an interessierte Imker weiterzugeben. Wer nicht in der Lage sei, eigene Jungvölker zu züchten, könne nicht imkern und solle sich überlegen, ob es das richtige Hobby für ihn sei, entgegnet wiederum Verbandspräsident Wyss: «Bienen sind kein Konsumgut, das man einfach so rasch kauft.» Doch diese Philosophie leben offensichtlich nicht alle Imker. Während einige ihre Bienenvölker über den Winter intensiv pflegen und hegen, kaufen sich andere im Frühling Völker aus dem milden Süden, die klimabedingt schon weiterentwickelt sind und dadurch früher Honig liefern als die einheimischen Bienen. Kritiker sprechen von «Wegwerf-Imkerei». Gerade auch dadurch dürfte der Beutenkäfer früher oder später hierzulande auftauchen. Vielleicht über einen unangemeldeten Bienenimport, wie er sporadisch am Zoll entdeckt wird.


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