SRG-Präsident verspricht Reformen

MEDIEN ⋅ SRG-Präsident Jean-Michel Cina hat in einem Zeitungsinterview die No-Billag-Initiative erneut abgelehnt, aber eingeräumt, dass das öffentliche Radio und Fernsehen reformiert werden müssen. "Es wird keine Tabus geben", sagte er der Walliser Zeitung "Le Nouvelliste".
10. Februar 2018, 04:04

"Wir werden alles analysieren, einschliesslich unserer Produktionsprozesse und unserer Infrastruktur", sagte der frühere Walliser CVP-Staatsrat. Seiner Meinung nach muss sich die SRG dem digitalen Wandel und den neuen Formen des Medienkonsums anpassen, insbesondere jenen der jüngeren Generationen.

"Als ich Präsident der SRG wurde, habe ich ein Komitee geschaffen, das dem digitalen Wandel des Unternehmens nachgeht", sagte Cina. "Es wird eines der grossen Projekte der nächsten Jahre sein."

Dabei wies der SRG-Präsident den Vorwurf zurück, dass die SRG Terrain der privaten Medien besetze, indem sie ihr Angebot multipliziere. Zur Zeit des digitalen Konsums sei die Anzahl der Kanäle nicht das zentrale Element, sagte er. Die SRG habe seit zehn Jahren keine neuen Fernseh- oder Radiosender mehr geschaffen.

Offen für weitere Partner bei Admeira

Cina erklärte weiter, er sei sich bewusst, dass die SRG berücksichtigen müsse, was in den privaten Unternehmen geschehe. "Wir müssen uns besser von diesen Medien abheben, indem wir unsere eigene audiovisuelle Produktion präsentieren", sagte er. Die SRG müsse sich auch auf die Besonderheit der Schweiz konzentrieren, um mit dem ausländischen Fernsehen konkurrieren zu können.

In Bezug auf den Wettbewerb in der Werbung, in dem sich die SRG mit den privaten Medien befindet, gab sich Cina offen für "jede konstruktive Möglichkeit in der Branche". Er ist bereit, die Aufnahme neuer Partner in die Werbeagentur Admeira zu erleichtern, die die SRG mit dem Verlagshaus Ringier und dem Telekommunikationsunternehmen Swisscom geschaffen hat.

Die Schweiz stimmt am 4. März 2018 über die No-Billag-Initiative ab. Diese verlangt die Abschaffung der Radio- und TV-Gebühren und untersagt dem Bund Subventionen von TV- und Radiostationen. Heute wird die SRG zu 70 bis 73 Prozent über Gebühren finanziert. Sie erhält von den insgesamt eingezogenen 1,35 Milliarden Franken 1,235 Milliarden. (sda)


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