Das Nostalgietheater Balgach überzeugte sein Premierenpublikum restlos

Begeisternde Premiere

23. Oktober 2004, 00:30
René Schneider

Balgach. 300 Menschen genossen gestern Abend die Premiere von «Der schwarze Hecht» in der Turnhalle Riet - und wohl niemand wird mit einem Achselzucken nach Hause gegangen sein. Die Laien-Produktion überzeugt restlos.

Das Premierenpublikum gestern Abend applaudierte nach wenigen Minuten des Spiels und liess den Darstellern wie den Musikern und Helfern keine Zeit für eventuelle Nervosität und Unsicherheiten. Der Funke sprang schnell über. Er liess das Team Nostalgietheater die Probensituationen vergessen und befreit wie mutig spielen, singen, agieren, was wieder seine Wechselwirkung auf das Publikum hatte.

Perfekte Leistung

Regisseur Willy Hutter und der musikalische Leiter Peter Groll präsentieren eine Produktion, der es an nichts mangelt: Gut besetzte Rollen, viel Abwechslung, hohe Musikalität, frisches Spiel, fein gesetzte Pointen - und sie trafen das Premierenpublikum mitten ins Herz und auf der Seele. Das Stück ist musikalisch und schauspielerisch sehr anspruchsvoll für ein Laientheater, aber das Nostalgietheater setzt es überzeugend um. Der Erfolg basiert nicht zuletzt auch im Stück selber, das anhand eines Familienfestes alles anschneidet, was doch alle bewegt: Wollen wir artige bis verzagte Statisten im Leben anderer und in der Gesellschaft sein oder die lustvollen Hauptdarsteller in unserem eigenen Leben? Letzteres zeigen in Balgach vier Rollen überzeugend: Otto Mattle als Zirkusdirektor, Kerstin Kobelt als seine Frau, Evelyne Seitz als Tochter sowie Elsbeth Ender als Köchin.

Ein Familienfest

Das Stück in drei Akten erzählt ein Familienfest aus Anlass des 60. Geburtstages des Vaters. Alle «lieben Verwandten» sind eingeladen. Nicht eingeladen wurde nur ein Bruder des Geburtstagskindes, der vor Jahrzehnten sich aus der Familie gelöst hatte und zum Zirkus gegangen war. Er kommt überraschend und in Begleitung einer wesentlich jüngeren, attraktiven Trapezkünstlerin: Ein Skandal für die Gastgeber, Onkel und Tanten, aber faszinierend für die artige Tochter des Hauses, die beschliesst, nie mehr artig zu sein, auszuziehen und zum Zirkus Obolski zu gehen. Über all der Aufregung verbrennt im Ofen der Hauptgang des Geburtstagsmahls; der Hecht, auf den sich doch alle gefreut hatten ...


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